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Kaffeeanbau in Südamerika

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Brasilien wird zu Recht als Gigant des Kaffeemarktes bezeichnet. Hier wachsen rund 4 Mio. Kaffeebäume, 75% der Ernte wird von Kleinbauern produziert. Bei der Vielzahl der Kaffeesorten, die in den einzelnen Regionen angebaut werden, ist es eigentlich ein Unding, von “brasilianischem” Kaffee zu sprechen. Auf dem internationalen Kaffeemarkt wird der zumeist gewaschene und sonnengetrocknete Kaffee aus Brasilien in “Brazils” und “Milds” sowie “Other Arabics” eingeteilt. Obwohl in 17 von 26 brasilianischen Gliedstaaten Kaffee angebaut wird, erzeugen alleine die 4 Staaten, Paraná, São Paulo, Minas Gerais und Espírito Santo 98% des Gesamtertrages, wobei Paraná, im Süden des Landes, für 50% der Gesamtproduktion verantwortlich ist. Die Anbauregion im nördlichen Küstenland bringt einen Kaffee mit dem typischen Meerwassergeschmack hervor, der vorwiegend nach Nordafrika, in den Mittleren Osten und nach Osteuropa ausgeführt wird. Zu den interessantesten Sorten gehört der Bahia. Leider ist er nur sehr schwer zu beschaffen, da Brasilien nach den Vereinigten Staaten den meisten Kaffee im eigenen Land verbraucht und somit viele edle Kaffees gar nicht erst ausgeführt werden. Brasilien erzeugt den größten Teil der Robustas in Standard-Konsumqualität, wie sie in Supermärkten erhältlich ist. Dieser brasilianische Robusta wird als Conillon vermarktet und macht etwa 15% der gesamten Kaffeeproduktion aus. Der Capin Branco ist milder im Geschmack als der würzige und fruchtige Vista Allegre. Beide haben relativ wenig Säure, doch wie alle brasilianischen Kaffees sollten sie “jung” getrunken werden, da sie bei längerer Lagerung zuviel Säure entwickeln. In der Regel werden die ungewaschenen und sonnengetrockneten Bohnen als “Brazil” verkauft, um sie von den feineren “Milds” zu unterscheiden. Neben zahlreichen Arabica-Sorten wird auch der Conillon, eine Robusta- Art gezogen. Die Qualitäten der 1720 von Französisch-Guyana eingeführten Pflanzen sind im allgemeinen durchschnittlich, dabei aber sehr unterschiedlich. Sie bieten für jeden Geschmack etwas: Der medizinisch schmeckende Rio wird im Land selbst konsumiert. Die im Norden in Meeresnähe wachsenden Sorten haben ein kräftiges See-Aroma, und die alten, in der südöstlichen Cerada-Region jetzt wieder neu kulitvierten Bourbon-Bohnen sind ansprechend mild-würzig und haben wenig Säure. Verheerende Frosteinbrüche im Süden des Landes haben meist gravierende Auswirkungen auf den Welthandel. Die brasilianische Wirtschaft hat sich daher von der einst dominierenden Kaffee-Industrie, die der Staat bis 1990 sehr streng kontrollierte und reglementierte, wieder unabhängig gemacht. Endgültig vorbei sind damit auch die Zeiten, in denen Überproduktionen ins Meer geschüttet werden mussten, um die Preise stabil zu halten. |
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Ecuador gehört zu den wenigen südamerikanischen Ländern, wo sowohl Robusta als auch Arabica-Sorten angebaut werden. Die besten Arabica-Kaffees stammen aus dem Andenhochland. Die Bohnen werden eingeteilt in die jeweils schweren und großen Galapagos und Gigante sowie in No.1 und Extra Superior, was der skandinavischen Standard-Konsumqualität entspricht. Eine Bohne mit wenig Körper, die hauptsächlich für Mischungen verwendet wird. Der Duft ist intensiv, die Säure mittelmäßig, der Geschmack mild und ausgewogen mit einer feinen Bitternote. |
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Galapagos: Kaffee von der Insel San Cristóbal ist eine außergewöhnliche Rarität höchster Qualität. Die Hacienda El Cafetal erzeugt etwa 500 Sack Arabica-Kaffees der Bourbon-Varietät. Da die Einfuhr und der Einsatz von Kunstdüngern, Pestiziden, Herbiziden und anderer Chemikalien streng verboten ist, gilt der Kaffee der Galapagosinseln zumindest inoffiziell als Biokaffee. |
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Kolumbien: Die Arabicas sind weich und dabei sehr aromatisch. Vor allem die wirtschaftlich wichtigsten Sorten, Medellin, Armenia und Manizales, gedeihen unter idealen klimatischen Bedingungen entlang der Kordilleren und in der nördlichen Santa-Marta-Region nahe der Karibik. Der zweite Gigant unter den lateinamerikanischen Erzeugern liefert im Gegensatz zu Brasilien überwiegend hochwertige Qualitäten. Wolken, Guamosbäume und Bananenstauden schützen die Pflanzen vor sengender Hitze und strengen Winden. Seit 1808, als ein Geistlicher die ersten Gewächse von den französischen Antillen mitbrachte, entwickelte sich Kolumbien zum größten Exporteur hochwertiger gewaschener Bohnen und verkauft seine Original-Kaffees unter eigenem Namen in der ganzen Welt. Der “Gran Café de Caldas”, ein sortenreiner Arabica aus der Andenprovinz, kann sich mit teuersten Topqualitäten anderer Länder messen. Dieser weltberühmte Andenkaffee vereint in sich alle Eigenschaften, die ein exzellenter Hochlandkaffee haben sollte: reiches, rundes, ausgewogenes Aroma mit leicht süßlichen Nussanklängen; ein kräftiger Körper, die Säure spürbar und doch fein. Insgesamt gesehen steht das Land mit einer Jahresproduktion von 13 Mio. Sack à 60 kg nach Brasilien mit 22 Mio. Sack, an zweiter Stelle der Kaffee-Erzeuger. Kolumbianischer Kaffee zählt zu den wenigen sortenreinen Kaffees, die weltweit unter diesem Namen verkauft werden. Kolumbien ist das größte Erzeugerland für Arabica-Bohnen und weltweit der größte Exporteur für gewaschenen Rohkaffee. Die Anbauregionen liegen inmitten der Ausläufer der Anden, wo feuchtwarmes Klima herrscht. Von den rund 2,7 Mio. Kaffeesträuchern wachsen etwa 66% auf modernen Plantagen, der Rest verteilt sich auf kleine Familienbetriebe. Die Hauptanbaugebiete liegen in der Zentral- und Ostkordillere. Die wichtigsten Plantagen des mittleren Gebirgszuges liegen bei Medellín, Armenia und Manizales. Von diesen drei Regionen liefert Medellín den feinsten Kaffee. Er hat einen kraftvollen Körper, ein volles Aroma und einen ausgewogenen Säuregehalt. Die drei Regionen sind unter dem Kurzwort MAM bekannt. Kaffee speziell aus Medellín wird auch als solcher deklariert und zu Höchstpreisen verkauft. Die besten Anbaugebiete der Ostkordillere liegen bei Bogotá und bei Bucaramanga. Kaffee aus Bogotá ist zwar säureärmer als Medellín- Kaffee, aber ebenso edel. Die Kaffeequalität wird eingeteilt in Supremo, Excelso und UGQ, was für “Unusual Good Quality” steht. Excelso und Supremo sind in vielen Kaffeegeschäften erhältlich. Der Unterschied zwischen den beiden Sorten besteht darin, dass der Supremo grossbohniger ist. Excelso ist weicher und säurebetonter, obwohl beide Sorten aromatisch und fruchtig sind und eine gute Geschmacksfülle zeigen. Kolumbianischer Kaffee wird oft als samtig beschrieben und ist sehr ausgewogen im Geschmack. |
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Peru: Bis zu 98% des Kaffees werden in Waldgebieten kultiviert und zwar größtenteils von Kleinbauern. Die besten Kaffees kommen aus Chanchamayo, Cusco, Norte und Puno. Ein Grossteil des Kaffees wird als “Biokaffee” vermarktet, obwohl es unmöglich ist, die Anbaubedingungen aller Kaffeebäume zu kontrollieren. Peruanischer Kaffee ist qualitativ durchaus mit jedem anderen mittel- oder südamerikanischen Kaffee vergleichbar. Der beste Kaffee wird für Mischungen nach Deutschland, Japan und in die Vereinigten Staaten ausgeführt. |
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Venezuela: Die beste Anbauregion ist der Bundesstaat Táchira im Südwesten. Als die besten Kaffees gelten der Montebello aus San Cristóbal de Táchira, der Mirama aus Rubio de Táchira, der Granija aus Timote de Mérida sowie der Ala Granija aus Santa Anna de Táchira. Für Qualität bürgen auch die Namen Maracaibo, Mérida und Trujillo sowie Filomena und Cúcuta. Ein besonders guter Kaffee stammt von Tipica-Gewächsen aus der Plantage von Jean und Andres Boulton in Turgua. Venezolanischer Kaffee ist unverwechselbar im Geschmack: leicht und fein mit auffallend wenig Säure. Dadurch eignet er sich sowohl für Mischungen als auch als sortenreiner Kaffee. |






